Alabastermaus
Die Geißel guter Vorsätze.
von
am 29.12.2009 um 13:00 (545 Hits)
Was Eo Borucki hier, Am Rande,in seiner Kolumne beschreibt, finde ich sehr zutreffend.
Es ist die seltsamste Woche des Jahres: Vom 24. an lassen es selbst Biedermänner bei Plätzchen, Karpfen, Gans, Rotwein, leichten Schnäpsen und schweren Zigarren krachen wie einst die Borgia-Päpste; aber ab Neujahr werden wir des Leibes gestrige Lüste mit ernstem Entsagen tauschen wollen, uns von den festtäglichen Schlemmens halber fett gewordenen Backen erheben, um feierlich abzuschwören: Nie mehr essen! Nie mehr trinken! Nie mehr rauchen - statt dessen nur noch singen, lesen, Reinheit predigen!
Tja - an dem Brauch, sich fürs neue Jahr gute Vorsätze zu geben, hält der Mensch fest wie der Hund an der Wurst. Nur leider fallen all die guten Vorsätze einander ins Wort, man begräbt sich sozusagen unter einer Lawine guter Vorsätze.
Das muss ja schiefgehen. " Aus Gemeinem ist der Mensch gemacht, und die Gewohnheit nennt er seine Amme", wusste schon Schiller; und auch der Marquis de Vauvenargues warnte vor zuviel Kasteiung: "Unser eigentlichen Laster sind oft verzeihlicher, als die, die wir begehen, um sie zu verbergen."
Und vollends versöhnt uns Oscar Wilde wieder mit uns selbst, der schlau feststellte: " Um einer Verlockung widerstehen zu können, muss man ihr ab und zu erliegen."
Vielleicht üben wir das Maßhalten im neuen Jahr an allzu guten Vorsätzen.
Erschienen in der LR vom 29.12.2009.









Hinweis auf diesen Blog-Eintrag per E-Mail verschicken